Jeder hat Daten. Aber nicht jeder nutzt sie auch.

Mitte Mai trafen sich 14 deutschsprachige Publisher in Berlin zur zweiten Sitzung des Reader Revenue Accelerator, einem dreimonatigen Programm zur Erhöhung digitaler Abonnementabschlüsse. Einige der Teilnehmer verfolgen neue Dateninitiativen, um für ihr Unternehmen treuere Leser und letztendlich mehr zahlende Abonnenten zu gewinnen.

Im Verlauf der zweitägigen Sitzung teilten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Verlage verschiedene Möglichkeiten, um in ihren Verlagshäusern mithilfe von Daten Veränderungen zu bewirken. Hier die wichtigsten Erkenntnisse.

Erkenntnisse für das gesamte Unternehmen sichtbar machen

Oberpfalz Medien hat zwei Möglichkeiten vorgestellt, Daten im gesamten Unternehmen zu nutzen, um allen verständlich zu machen, was funktioniert und was nicht.

  1. Ein neu zusammengestelltes, fachübergreifendes Team bestehend aus Mitarbeitern der Nachrichtenredaktion, der IT-Abteilung und dem Produkt- und Leserservice konzentriert sich auf kostenpflichtige Produkte. Die Teammitglieder können ihre Erkenntnisse in ihre eigenen Abteilungen einbringen und sie so schneller im gesamten Unternehmen verbreiten.
  2. Dieses Team ist auf ein ganz bestimmtes Ziel ausgerichtet. Von diesem Fixpunkt leitet sich eine klare Mission ab, die jeder in der Organisation erfüllen kann. Das Ziel von Oberpfalz Medien bezieht sich auf digitale und klassische Abonnements. Auf diese Weise kann das Unternehmen das Thema ganzheitlich betrachten und ein Gleichgewicht zwischen stabilen oder sinkenden Print-Abonnements und zunehmenden Digital-Abonnements herstellen.

Die Nachrichtenredaktion kann die Erkenntnisse des Teams nun für die Erstellung von Inhalten nutzen und ihre Arbeit am Leitbild des Unternehmens ausrichten. Gleiches gilt für die Marketingabteilung und die Produktteams.

Wer sind die „Priority Visitors“?

Man kann nicht verbessern, was man nicht erfassen kann. Im Rahmen des Accelerator-Programms berichtete das Team von DuMont, wie es eine neue Kennzahl entwickelte, um sich auf seine wertvollsten Leser zu konzentrieren.

„Es gibt viele verschiedene Meinungen darüber, was einen guten Artikel ausmacht“, so Fabius Klabunde, Audience Intelligence Manager bei DuMont. „Wir möchten dafür sorgen, dass unsere Redakteure leichter erkennen, welche Artikel unsere Zielgruppe am interessantesten findet.“

Das DuMont-Team entwickelte dafür die neue Kennzahl „Priority Visitors“. Mithilfe dieser Größe kann sich das gesamte Unternehmen auf die Interessen der treuen Leser konzentrieren und mehr Conversions erreichen. „PrioVis“ misst die Anzahl der Besucher aus den Vertriebsgebieten der Publikation, die die Website der Publikation besuchen und dort regelmäßig Inhalte lesen. Anschließend sendet das DuMont-Team der Nachrichtenredaktion einen täglichen Bericht darüber, welche Artikel die meisten „Priority Visitors“ angezogen haben. Dank dieser täglichen Berichte können alle Mitarbeiter besser nachvollziehen, welche Themen und Vertriebskanäle für die treuen Leser der Publikation am interessantesten sind.

Leser dazu bewegen, einen weiteren Schritt zu machen

Die „+1-Strategie“ von Funke Media ist die Antwort auf die Frage, wie man Leser dazu bringt, einen weiteren Schritt zu machen. Unter dieser Prämisse werden Inhalte und Nutzererlebnisse entwickelt, die Leser ermutigen, über den gerade gelesenen Artikel hinauszugehen.

Einige Ideen des Funke-Teams aus der +1-Strategie:

„Wir haben die Arbeitsweise unserer Redaktionen strategisch verändert: Wir konzentrieren uns auf die Bedürfnisse unserer Leser und zeigen unseren Redaktionen, wie sie daten- und erfahrungsbasierte Entscheidungen miteinander verbinden können“, so Dr. Ruth Betz, Leiterin Digitale Transformation bei Funke. Dr. Anne Krum, Stellvertretende Chefredakteurin der Funke-Zeitungen in Nordrhein-Westfalen, ergänzt: „Unsere Redaktionen konzentrieren sich mehr und mehr auf Online-Geschichten und wie diese online am besten umgesetzt werden.“



Das Accelerator-Programm
Die Accelerator-Programme des Facebook Journalism Project sollen Nachrichtenherausgebern dabei helfen, mit digitalen Abonnements mehr Einnahmen zu erzielen. Das vom Facebook Journalism Project finanzierte und organisierte Programm läuft über drei Monate und umfasst Praxis-Workshops mit Branchenexperten, ein vom International Center for Journalists organisiertes Fördermittelprogramm sowie regelmäßige Berichte zu Best Practices vom ICFJ und dem Facebook Journalism Project (FJP). Der Reader Revenue Accelerator ist Teil des Accelerator-Programms, dessen Programm und Struktur von Executive Director Tim Griggs betreut wird. Die vorherigen Programme konzentrierten sich auf digitale Abonnements und digitale Videos.